Zivilschützer bekommen neues Tenue

Die bisherige persönliche Ausrüstung der Zivilschutzangehörigen taugt zu wenig für den Einsatz. Darum werden bis 2017
alle Thurgauer Zivilschützer neu eingekleidet. Im Unterschied zu früher zahlt das aber nicht mehr der Bund.

FRAUENFELD. Wer im Winter Dienst im Zivilschutz leistet, nimmt seine eigene Winterjacke mit. Mit der bisherigen persönlichen Standardausrüstung der Zivilschützer würde er frieren. Dieses Beispiel nennt der Thurgauer Zivilschutzchef Markus Bürgi, um zu illustrieren, wie notwendig das neue Zivilschutz-Tenue ist, das jetzt nach und nach abgegeben wird. «Für den Einsatz im Winter ist die bisherige Ausrüstung unbrauchbar», sagt Bürgi. Dasselbe gilt für Schlechtwetter. Auch der bisherige Regenschutz ist untauglich, weil er nicht atmungsaktiv ist. Wer darin arbeitet, ist klatschnass – nicht wegen des Regens, sondern vor Schweiss. Die alte Ausrüstung stammt vom Bund, der sie vor zehn Jahren den Kantonen abgegeben hat. 2012 hat sich der Bund aber aus der Materialbeschaffung für den Zivilschutz verabschiedet. Zuständig sind jetzt die Kantone. Siehaben sich dafür imMaterialforum für den Zivilschutz zusammengeschlossen. Dieses klärte die Bedürfnisse ab, testete die neue Ausrüstung und beschafft sie nun auch.Zivilschützer bekommen neues Tenue

Ein Viertel schon umgerüstet
Im Thurgau wird die neue Ausrüstung seit letztem Jahr schrittweise abgegeben. Neue Zivilschützer bekommen sie im Grundkurs. Auch Absolventen von Weiterbildungen oder Kaderkursen werden neu eingekleidet. Ein Viertel der 2000 Zivilschutzangehörigen im Kanton trägt bereits die neue Kleidung. Bis 2017 sollen alle umgerüstet sein, sagt Bürgi. Das neue Tenue ist in mehreren Schichten aufgebaut. Neben der eigentlichen Arbeitsuniform umfasst es ein atmungsaktives oranges T-Shirt, ein oranges «Gnägi», eine Faserpelz-Jacke und einen Witterungsschutz aus Jacke und Hose. Je nach Temperatur und Witterung wird die Arbeitsuniformmit den anderen Komponenten kombiniert.

Kampfstiefel von der Armee
Verbessert sei auch die Sichtbarkeit durch Leuchtstreifen, sagt Zivilschutzchef Markus Bürgi. Zudem ist die neue Kleidung feuerfester als die alte. Was bleibt, sind die Stiefel. Hier bekommen die Zivilschützer die Kampfstiefel der Armee, die schon bei der Rekrutierung abgegeben werden. Eine persönliche Ausrüstung kostet knapp 450 Franken. Würde man von 2000 Zivilschützern ausgehen, würde das 900000 Franken machen. Allerdings dürfte es in Zukunft wegen der Zivilschutzreform (Ausgabe vom Freitag) weniger Dienstleistende geben. Die Reform ist auch der Grund, wieso die Abgabe der neuen Tenues erst 2017 abgeschlossen ist und nicht schon 2015 wie ursprünglich geplant. Die persönliche Ausrüstung wird dem Zivilschützer zwar abgegeben und er ist auch für die Reinigung und Aufbewahrung zuständig. Sie bleibt aber im Besitz des Kantons. Wer aus dem Kanton wegzieht oder aus dem Zivilschutz entlassen wird, muss sie wieder abgeben.

Autor: Christof Widmer

Quelle: Thurgauer Zeitung, 02. Dezember 2014, http://www.thurgauerzeitung.ch

 

 

Die Zivilschutzregion Arbon leistet Dienst als „menschlicher Aufzug“

Der Betreuungszug der Zivilschutzregion Arbon war in den letzten vier Wochen im Wohn- und Pflegeheim Seerose in Egnach im Einsatz, in welchem der Lift der Bewohner einer Totalrevision unterzogen wurde. In Folge dessen haben die Betreuer des Zivilschutzes das örtliche Personal tatkräftig unterstützt, indem sie die Funktion als „menschlichen Aufzug“ übernahmen.

Roger Zingg, Heimleiter des Wohn- und Pflegeheims Seerose wurde durch den Hersteller des Liftes zu Beginn des Jahres 2012 in Kenntnis gesetzt, dass bald eine Totalrevision vorgenommen werden müsse. Da die 54 Bewohner des Heimes auf verschiedenen Stockwerken wohnen und auf eine gewisse Mobilität angewiesen sind, jedoch nicht mehr allesamt gut zu Fuss sind, kam er auf die Idee, für den Zeitraum der Revision auf die Unterstützung des Zivilschutzes zurück zu greifen und fragte diesen kurzerhand an..

Kommandant Daniel Wendel von der Zivilschutzregion Arbon hat dieses Anliegen direkt an den Zugführer Marco Tinella weitergeleitet,.
„Ich habe  sofort mit Herrn Zingg Kontakt aufgenommen, denn so ein praxisnaher Einsatz kommt in unserer Region doch eher selten vor“, erzählte Marco Tinella im Gespräch, „diese Chance wollten wir unbedingt für unsere Zivilschutzregion nutzen.“ Auch Roger Zingg weiss nur Gutes über die Zusammenarbeit zu berichten: „Relativ schnell wurde mit mir unkompliziert Kontakt aufgenommen und wir haben schnell den Draht zueinander gefunden. Etwas dumm war dann nur, das der eigentliche Revisionstermin nochmals um ein Jahr verschoben wurde, aber Herr Tinella hat sich äusserst flexibel gezeigt und schlug vor, das man stattdessen ja während einem regulären Wiederholungskurs das Heim, die Mitarbeitenden und auch die Bewohner einmal  kennenlernen könnte.“

So ergab es sich dann, dass der Betreuungszug im WK im Herbst 2012 vor Ort einmal ein Bild machen konnte. Gleichzeitig erfuhren die Betreuer in einigen Lektionen von den Mitarbeitenden was sie in Jahresfrist erwarteten würde. So wurde zum Beispiel der Umgang mit dementen Menschen thematisiert, man lernte die korrekte Bedienung von Rollstühlen und Rollatoren kennen und zu guter Letzt sah man schon einmal hautnah in den Betreuungsalltag des Wohn- und Pflegeheims Seerose hinein. „Ich bin davon überzeugt, dass diese ersten Erfahrungen im 2012 unseren Betreuern für dieses Jahr gewisse Hemmschwellen und Berührungsängste wesentlich genommen hat“, berichtet Marco Tinella, „alle empfanden den WK als sehr angenehm und praxisnahe und die Gruppenführer, welche in die Planung für 2013 mit einbezogen waren, waren damals schon begeistert für den kommenden Einsatz.“ 

Nach kurzer Rücksprache mit dem Kommandanten Daniel Wendel und grünem Licht seinerseits, denn auch er ist der Überzeugung dass ein solcher Einsatz eine grosse Chance für den Zivilschutz darbietet, ging es für Marco Tinella an die Feinplanung. „In Absprache mit meinen Gruppenführern arbeiteten wir einen Plan aus, wie wir die vier Wochen abdecken und allen Bedürfnissen gerecht werden konnten.“ defekterlift2

Die Heimleitung hat einen klaren Auftrag erteilt, welcher mehrere Aufgaben beinhaltete:

  • die Angehörigen des Zivilschutzes übernahmen die Funktion eines „menschlichen Aufzugs“, indem sie den Heimbewohnern beim Überwinden der Treppen halfen und allfällige Sachgegenstände auf die verschiedenen Stockwerke transportierten.
  • die Begegnung mit den Bewohnern des Heimes wird gefördert, indem man die Betreuer in den Alltag der Bewohner mit einbezieht.
  • eine Auflockerung des üblicherweise relativ starren Tagesablaufs der Bewohner bieten.
     

Auf die Frage, ob dieser Auftrag denn auch erfüllt worden sei, kam Heimleiter Roger Zingg richtiggehend ins Schwärmen: „Wenn ich ehrlich bin, hätte ich viel weniger erwartet. Ich ging davon aus, dass die Zivilschützer vor allem da seien, weil sie es mussten und dementsprechend gering motiviert wären. Ich wurde da jedoch eines Besseren belehrt. Sie waren mit grossem Engagement dahinter, wenn es einmal wenig zu tun gab, kamen sie proaktiv auf die Mitarbeitenden oder mich zu und fragten, ob sie sonst noch etwas mithelfen konnten. Einige machten sogar Vorschläge, was man mit den Bewohnern noch unternehmen könnte, um ihnen eine gewisse Abwechslung bieten zu können. Diese Vorschläge haben wir gerne aufgenommen und umgesetzt, wir konnten somit die zusätzliche Manpower dazu nutzen, um Spaziergänge und Ausflüge mit den Bewohnern zu machen.“

Auch der Betreuer Fabiano Botticini konnte nur Positives berichten: „Das war einmal ein Einsatz, der es jetzt wirklich gebracht hat. Hier wurde man mit echten Emotionen konfrontiert, mit echten Problemen und wenn man etwas machen musste, passierte das mit Menschen, die auf deine Hilfe angewiesen sind. Aber es war sehr spannend zu sehen, wie die Bewohner aufgeblüht sind, in der Zeit in welcher ich hier war. Sie haben viel gelacht und erzählt, wie es früher einmal war. In anderen Wiederholungskursen kam mal eine Schauspielertruppe vorbei, aber das war halt eben nur gespielt. Hier wurde man mit Extremen konfrontiert, mit Menschen und Schicksalen und man erkannte so auch einmal, wo seine Grenzen sind. Es wird einem bewusst, wenn man mit diesen Menschen zu tun hat, dass man selbst auch einmal alt wird und dann vielleicht selbst einmal in so eine Situation kommt, wo man auf die Hilfe von anderen Menschen angewiesen ist. Diese Art der Belastung wurde von vielen in unserer Gruppe unterschätzt, denn es geht einem  schon sehr nahe, wenn man die vereinzelten Schicksale sieht.
Unsere Gruppe - es waren jeweils bis zu 5 Betreuer pro Tag anwesend - hat sich jeweils selbst sehr gut reguliert. Wenn jemand eine gewisse Aufgabe nicht machen wollte, hat es ein anderer getan. So ging es immer relativ gut auf und wir hatten einen sehr guten Zusammenhalt über die gesamte Einsatzdauer.“

Marco Tinella schlug ebenfalls die gleichen Töne an: „Die Betreuer haben hier wirklich sinnvolle und wertvolle Arbeit leisten dürfen. Sie haben hier auch in einen Bereich hineingesehen, der ihnen sonst eher verschlossen ist und sie konnten Erfahrungen sammeln, die sie auch im Privatleben sicher irgendwann brauchen können. Die Begegnungen zwischen den Bewohnern und den Betreuern waren oftmals sehr herzlich und es wurde viel gelacht. Das Einzige, was teilweise als negativ empfunden wurde bei den Dienstleistenden, waren die langen Arbeitszeiten. Jeder Einsatztag dauerte 12 Stunden und das kann schon an die Substanz gehen. Trotzdem war das Schlussfazit am jeweiligen Abend immer sehr positiv.“

Marco Tinella, die Betreuer und auch der Heimleiter Roger Zingg wünschen sich für die Zukunft eine erneute Zusammenarbeit. Man könnte sich beidseitig vorstellen, das man in naher Zukunft vielleicht einmal einen Ausflug oder sonst etwas mit dem Heim planen könnte. Es ist noch nichts Konkretes geplant, aber von allen Seiten ist man sich einig: wenn viel gelacht werden kann auf allen Seiten, dann macht so ein Einsatz nicht nur Sinn, sondern auch grossen Spass.

© Sascha Wehinger, Medienverantwortlicher Zivilschutzregion Arbon / Arbon: 30. September 2009

 

 

100 Tonnen Treibholz in Horn

HORN. Im Wasser des Bodensees treiben zurzeit Unmengen von Schwemmholz. Besonders deutlich zeigt sich das am Horner Seeufer, westlich der Goldachmündung. Ganze Baumstämme liegen an dieser Stelle auf. «50 Tonnen haben wir bereits rausgeholt», sagt Gemeindeschreiber Andreas Hirzel, «und wir rechnen mit weiteren 50 Tonnen.»

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Zivilschützer sind gefordert
Die Gemeinde Horn setzt seit eineinhalb Wochen alles daran, das Schwemmholz so schnell und so gründlich wie möglich zu entsorgen. Die 50 bereits geborgenen Tonnen stammen vom Uferabschnitt vom Zentrum bis nach Steinach. Seit Dienstagmorgen sind sieben Männer des Zivilschutzes der Region Arbon mit der östlichen Uferseite beschäftigt. Noch bis heute Freitag arbeiten sie sich vom Goldachdelta Richtung Dorfmitte vor. Mit Stahlseilen, angebracht an Traktoren oder einem Boot, ziehen die Zivilschützer das angeschwemmte Holz ans Ufer. Ein Bagger hievt die Stämme danach an Land, wo sie zerkleinert und abtransportiert werden. «Das ist richtige Knochenarbeit», sagt Einsatzleiter DanielWendel. Deshalb stünden auch nur Pioniere im Einsatz, die für diese Art von Arbeit ausgebildet seien. Für Kommandant Wendel ist es der erste Einsatz in dieser Grösse. Die Menge Holz, die am Ufer treibt, überrascht ihn: «Es ist extrem viel.» Ob die Zivilschützer es schaffen werden, den Uferabschnitt von der Goldachmündung bis zum Horner Zentrum in drei Tagen vom Schwemmholz zu bebefreien? Daniel Wendel zuckt mit den Schultern. «Wenn’s nicht reicht, packen wir nächste Woche noch mit an.»

Es trifft halt immer Horn
Gemeindeschreiber Andreas Hirzel zeigt sich ob des vielen Schwemmholzes nicht besorgt: «Es ist zwar viel, aber nicht beunruhigend viel.» Das Schicksal will es eben so, dass es «halt immer Horn trifft». Über die Gründe kann Hirzel nur spekulieren. «Wahrscheinlich liegt es daran, dass unser Ufer direkt neben der Goldach liegt.» Auch Wasserströmung und Wind würden ihren Teil dazu beitragen. Im Jahr 2009 habe es das letzte Mal so viel Holz ans Ufer geschwemmt. «Da war es aber nicht so verstreut und deshalb leichter zu bergen.»

Schwemmholz wird Brennholz
Leicht zu bergen ist das Schwemmholz auch dieses Mal nicht. Deshalb hat die Gemeinde die Zivilschutzstelle der Region Arbon um Hilfe gebeten. «Unsere Feuerwehr und das Bauamt haben in den ersten Tagen bereits grossen Einsatz geleistet», sagt Hirzel. Aufgrund der angeschwemmten Menge sei dieses Mal Hilfe notwendig gewesen. Was mit dem Schwemmholz passiert, entscheidet das kantonale Forstamt. Laut Hirzel wird das meiste zu Brennholz, der Rest landet im Abfall.

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Autor: Janique Weder

Quelle: Thurgauer Zeitung, 19. Juni 2013, http://www.thurgauerzeitung.ch

 

 

Kommt nun das Hochwasser?

Ronny Schwender, Stabschef des Regionalen Führungsstabs, erklärt die Gefahrenlage
 
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Sollte bis April eine starke Regenphase folgen, so wäre die Wahrscheinlichkeit eines Hochwasser relativ gross, erklärt Ronny Schwendener, Stabschef des Regionalen Führungsstabes der Region Arbon. Doch Panik will er keineswegs schüren: Die Situation im letzten Jahr sei ähnich gewesen.
 
Es ist eine Frage, die sich am Bodensee jeden Frühling stellt: Was geschieht, wenn der ganze Schnee schmilzt? Kann der Bodensee all das Wasser aufnehmen oder tritt er über die Ufer? Einer, der sich im Rahmen seiner Funktion zwingend mit diesen Fragen auseinandersetzen muss, ist Ronny Schwendener aus Steinebrunn, Stabschef des Regionalen Führungsstabs Region Arbon.
 
Ohne Starkniederschläge kein Hochwasser
Schwendener schätzt die diesjährige Lage nicht dramatisch ein: «Wir haben zwar derzeit einen leicht überdurchschnittlichen Bodensee Pegel, die Entwicklung zeigt aber im Moment keine Hochwasser Tendenz», so Schwendener. Sollte es jedoch bis April zu Starkniederschlägen kommen, so sagt Schwendener, sei es gut möglich, dass der Wasserstand merklich angsteigen würde. «Derzeit ist der Pegel aber gut zwei Meter unter der Hochwassergrenze, da kann der Bodensee noch sehr viel Wasser aufnehmen», erklärt Schwender. Das Risiko eines Hochwasser, so fasst der Stabschef des Regionalen Führungsstabs zusammen, sei sicher vorhanden die Lage werde aber genau beobachtet. «Relevant für den Regionalen Führungsstab wird es aber erst dann, wenn wir es mit flächendeckenden Ereignissen wie beim Jahrhunderthochwasser im Jahr 1999 zu tun haben», so Schwendener. Bei Einzelereignissen wie einem mit Wasser vollgelaufenen Keller kann die Feuerwehr alleine helfen. «Wenn jedoch ein Ereignis voraussichtlich länger andauert als ein bis zwei Tage, dann geht es darum, dass die verfügbaren Mittel in der Region richtig koordiniert werden können», so Schwendener. Und genau dann kommt der Regionale Führungsstab Arbon zum Zug.
 
Sicht aus der Vogelperspektive
Der Regionale Führungsstab hat die Aufgabe, den Bevölkerungsschutz zu organisieren – da gehören die Blaulichtorganisationen Polizei und Feuerwehr, aber auch die Technischen Werke der Gemeinden, der Zivilschutz und die Sanitätsdienste dazu. «Es geht darum, dass wir ein Grossereignis wie ein Hochwasser aus der Vogelperspektive beurteilen und den Alltag im betroffenen Gebiet für die Einwohnerinnen und Einwohner möglichst aufrecht erhalten», sagt Schwendener. Konkret heisst das, dass der Regionale Führungsstab sich nicht um einzelne überschwemmte Keller kümmert, sondern dafür sorgt, dass beispielsweise die Stromversorgung von einer allfälligen Überschwemmung nicht lahmgelegt wird oder die Kläranlage ihren Betrieb ohne Einschränkungen weiterführen kann. Zu den schützenswerten Gebäuden gehören laut Schwendener auch grosse Arbeitgeber in der Region. «Wenn ein Betrieb mit 500 bis 1000 Mitarbeitenden wegen eines Hochwassers oder einer anderen aussergewöhnlichen Situation zusammenbricht, stellt dies ebenfalls ein Problem für die Region dar», so der Stabschef.
 
Die Lehren aus 1999 gezogen
«Einzelereignisse werden nicht prioritär behandelt – so mühsam es für die betroffenen Bewohner auch sein mag. Wenn hingegen kein Strom oder kein sauberes Wasser mehr da ist, dann ist der Alltag der Menschen in der Region schwer beeinträchtigt », sagt Schwendener. Und um genau dies zu verhindern, werden im Regionalen Führungsstab verschiedene assnahmen diskutiert. Ein möglicher Lösungsansatz: Das Einmauern von kritischer Infrastruktur. «In Arbon befindet sich die EKT-Verteilzentrale beispielsweise nahe am See.Wenn es soweit ist, könnte man anstelle von Sandsäcken eine Mauer hochziehen und so das Wasser effizient fernhalten», sagt Schwendener. Auch bei Kläranlagen wäre das Einmauern laut dem Stabschef eine mögliche Massnahme. Ausserdem habe man aus dem Jahrhunderthochwasser 1999 Lehren gezogen. «Erst kürzlich haben wir eine Sandsack-Abfüllmaschine gekauft, mit der wir sehr schnell und mit geringem Personalaufwand Sandsäcke vor Ort abfüllen können», so Schwendener. Im Jahr 1999 habe man dies noch mühsam von Hand erledigen müssen. Ausserdem verfügt der Zivilschutz Arbon neu über eine Schmutzwasserpumpe, die bis zu 2500 Liter Wasser pro Minute abpumpen kann.
 
Vorwarnzeit von 2 bis 3 Tagen
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Das Fazit: Die Region Arbon ist gut auf ein mögliches Hochwasser vorbereitet. «Beruhigend ist, dass man bei einem Hochwasser dank den regelmässigen Pegel-Messungen eine Vorwarnzeit von zwei bis  drei Tagen hat», so Schwendener. Somit habe man genügend Zeit, um die kritischen Gebiete zu schützen. Ronny Schwendener rechnet aber nicht damit, dass es dieses Jahr soweit kommen wird: «Wir hatten letztes Jahr eine ähnliche Situation mit dem vielen Schnee, gefährlich wurde es aber nicht – auch, weil es im Mai und Juni nicht viel geregnet hat.» Für den Fall der Fälle hat der Stabschef aber Tipps für die Bevölkerung: «Wenn die Keller überflutet werden könnten, ist es wichtig, dass dort keine Garten-Umweltgifte oder Benzinkanister gelagert werden», sagt Schwendener. Solche Dinge sollten in der Höhe gelagert und vor Wasser geschützt werden. «Wenn es soweit ist, helfen Sandsäcke vor dem Haus ebenfalls. Wichtig ist aber, dass die Anweisungen von Behörden und dem Regionalen Führungsstab befolgt werden», meint Schwendener.
 

Autor: Benjamin Gahlinger

Quelle: Oberthurgauer Nachrichten Nr. 11/2013, http://www.obna.ch